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Nummer 10 - November 2005
Liebe Freunde und Beter,

Wißt Ihr was man im Oktober hier macht? Wir verraten es Euch. Man kauft einen Weihnachtsbaum und schmückt das Haus mit Lichterketten. ?Pasko na" diese Worte kann man seit ein paar Wochen über all hören und lesen es bedeutet, nun ist Weihnachten. Im großen Einkaufszentrum Butuan stehen Weihnachtsbäume (sogar rote!!) und viele Lichterketten in allen möglichen Varianten und Farben bereit zum Verkauf. So haben wir uns an die philippinische Kultur angepasst und Anfang Oktober einen Plastikweihnachtsbaum mit blinkender Lichterkette in unser Haus gestellt.

Wir sind aber nicht nur stolze Besitzer eines Weihnachtsbaums sondern wir haben auch ein eigenes Auto erhalten. Missionarskollegen mussten zurück nach Amerika und haben deshalb ihr Auto verkauft. Es ist erst sieben Jahre alt und in gutem Zustand so haben wir zugeschlagen. Das ist solch eine große Hilfe. Vor allem sonntags ist es immer voll, wenn wir zum Gottesdienst fahren und unsere Freunde mitnehmen.

Ein weiterer Grund zur Dankbarkeit ist: Wir haben unser Dreijahres-Missionars-Visa bekommen. Das ist gar nicht mehr so selbstverständlich, denn die Gesetze wurden verschärft und viele Missionare bekommen nur noch ein Zwei-Jahres-Visum. Vielen Dank für Euer Mitbeten!

Ja, nun sind schon wieder zwei Monate vergangen seit wir lieben Besuch aus Deutschland hatten. Wir haben die vier Wochen mit Andreas Eltern und seiner Schwester sehr genossen. Die Umstellung als sie wieder weg waren, war ganz schön schwer. Wenn man nach Hause kam wartete keiner mehr auf einen, mit dem man Deutsch reden konnte, keiner mehr wo man die Ausrede hat, dass man Sachen unternehmen muss und sich nicht hinter seine Bücher klemmen kann:). Die drei haben einen tollen Bilderbericht zusammengestellt und führen ihn Euch gerne vor.

Inzwischen haben wir einen weiteren Kurs (Nr. 4) an der Sprachschule abgeschlossen und fangen nun mit dem 5. und letzten an. Wir werden voraussichtlich im Februar an der Sprachschule absolvieren. Noch ein paar Monate und dann steht schon der Umzug nach Iligan City bevor.

Bitte betet schon jetzt für unseren Neuanfang im kommenden Jahr in Iligan City.

Wir brauchen dort eine Wohnung. Am liebsten hätten wir ein kleines Haus mit Garten, damit Amos einen Platz zum Spielen hat. Denn auf die Straße kann man die Kinder nicht lassen. Wir werden dort auch mit dem Sprachstudium weitermachen, bis wir wirklich gut sind, dazu brauchen wir zwei oder mehr fähige Sprachhelfer und Weisheit, was wir mit ihnen machen werden.

Abuno Gemeindegründung
Iligan City - Vor einigen Wochen musste eine Missionarsfamilie überraschend zurück nach Amerika. Sie haben an der LRF (Life Resources Foundation) mitgearbeitet und in dem Dorf Abuno, das gleich bei der Schule ist, eine kleine Gemeinde gegründet. Die einheimischen Geschwister sind jetzt etwas verwaist. Ein anderes Missionarsehepaar nimmt sich im Moment der Geschwister an und hilft aus mit Predigtdiensten. Jetzt wurden wir angefragt, ob wir uns vorstellen könnten, wenn wir nächstes Jahr umgezogen sind, neben dem Unterrichten an der Schule auch die Geschwister dieser jungen Gemeinde zu unterstützen! Bitte betet mit uns um Gottes Führung!

Aber noch sind wir hier in Butuan. Manche Beziehungen vertiefen sich hier und wenn wir dann wegziehen müssen wird uns der Abschied ganz schön schwer fallen. Nachfolgend ein paar Namen und ihre Situationen:

Andreas hat mit Nonoy (Fahrradfahrer) das chronologische Bibelstudium angefangen. Andreas hat ein Buch dazu in Cebuano und Nonoy hilft ihm mit einzelnen Wörtern, die er nicht versteht. Sie treffen sich jeden Dienstagmorgen und nehmen ein Kapitel durch. Vor kurzem kam seine Frau und hat geweint und meinte, es wäre klasse, dass Andreas das macht, denn auf sie würde er nicht hören und er wäre sehr nachdenklich über das, was er hört und in der Bibel liest.

Auch kommen die Kinder Tschatscha, Boloy, Jeyboy, Dodong und Almira ziemlich regelmäßig zu uns. Wir machen Spiele mit ihnen und nehmen sie mit in den Kindergottesdienst. Betet bitte mit, dass wir ihnen von Jesus erzählen können und sie zum lebendigen Glauben finden.

Die Mutter von Taschtscha, Lorena kommt auch regelmäßig mit in den Gottesdienst. Sie ist eine nette junge Frau und mit 37 Jahren schon Großmutter. Betet bitte auch für sie. Ihr Leben ist voller Herausforderungen. Vor kurzem standen ihre Kinder vor der Tür und haben um Reis gebettelt, weil sie nichts mehr zum Essen hatten und so hungrig waren.

Letzte Woche kam unsere Haushaltshilfe, Nang Betty und meinte, dass sie einen Brief von der Schule bekam, dass ihr jüngster Sohn (Dominggo) schon fast zwei Wochen nicht mehr in der Schule war. Er hat so getan, wie wenn er gehen würde, ist aber stattdessen ins Internetcafe und hat Computer gespielt. Er wurde von seinen Klassenkameraden gehänselt und so wollte er nicht mehr. Sie macht sich große Sorgen um ihn und wünscht sich, dass er wieder regelmäßig in die Schule geht. Bis vor kurzem kam er in der Mittagspause zu uns und hat mit uns Mittag gegessen. So haben wir ihn näher kennen gelernt und ins Herz geschlossen. Leider haben wir jetzt morgens Schule und so kann er nicht mehr mitessen.

Nun möchten wir euch noch AC(eine typisch philippinische Abkürzung) vorstellen. Seine Eltern sind Filipinos, aber da sie ausgewandert sind, ist er in den USA aufgewachsen. Er ist unser neuer Teamkollege und auch Missionar bei Christar. Er lernt wie wir Cebuano an der Sprachschule. Als er ankam, hat er für zwei Wochen bei uns gewohnt und wir haben ihm geholfen eine Wohnung zu finden und sich einzurichten. Dabei war uns Nonoy eine große Hilfe. Er hat sich umgehört wo etwas frei ist und für uns Informationen eingeholt. Kurz bevor AC ankam wurde die Wohnung neben uns frei und so hat er sich entschieden dort einzuziehen. So haben wir jetzt einen netten Nachbarn bekommen.

Und hier nun etwas Kultur:
Die kleine Anna war die Tochter einer sehr fleißigen Witwe. Annas Mutter kochte, wusch und putze das Haus. Daneben hat sie im Garten Gemüse angepflanzt um es auf dem Markt zu verkaufen. Anna war sehr faul deshalb half sie ihrer Mutter nicht, sondern verbrachte ihre Zeit mit herumlungern und spielen.
Eines Tages wurde Annas Mutter krank. Sie konnte nicht mehr vom Bett aufstehen um zu kochen. Deshalb rief sie Anna und bat sie etwas zu kochen. Aber Anna konnte nicht kochen, so wollte die Mutter es erklären. "Nimm den Topf vom Küchentisch!" "Da ist kein Topf!" brummte Anna und setzte sich auf die Küchentreppe. Die Mutter befahl, dann lass dir eben Augen wachsen.
Da war Anna plötzlich verschwunden. Aber nach einigen Tagen wuchs unten an der Treppe eine kleine Pflanze. Im Verlauf einiger Wochen wurde die Pflanze größer und bekam eine Frucht in der Form eines Kopfes mit ganz ganz vielen Augen, eine Ananas. Da rief die Mutter wieder: "Anna!" Da kam eine kleine zarte Stimme: "Es tut mir leid Mama."
aus einem philippinischen Lesebuch
Was habt ihr an Allerheiligen gemacht?

Wir haben die Kinder, die immer zu uns kommen, ins Auto geladen und sind auf den Friedhof gefahren wo ihr Freund beerdigt ist.

Hier in den Philippinen ist es Brauch am 1. und 2. November auf den Friedhof zu gehen und die Seelen der Angehörigen zu besuchen. Da hier aber alles dreckig und staubig ist wird das Grab zuerst sauber gekehrt. Da muss noch dazu gesagt werden, dass es keine Gräber sind wie in Deutschland sondern Betonquader, in die der Sarg reingeschoben und eingemauert wird. Auf jeden Fall wird alles sauber gemacht, frisch gestrichen und, wenn die Namenstafel ausgebleicht ist, auch die Schrift nachgemalt. Dann wird Essen, Kerzen und Blumen aufs Grab gestellt für die Seele des Verstorbenen, denn diese kommt an diesem Tag zurück zum Grab.

Bis wir zum Grab von Jomie kamen mussten wir über mehrere Gräber hinwegsteigen, da es keinen Weg gibt. Es ist dreckig zwischen den Gräbern und sie sind auch nicht geordnet, eines ist höher das andere tiefer und man muss aufpassen das man nicht zwischen drin runterfällt. Mit den Kindern hatten wir vorher ausgemacht, dass wir kein Essen mitnehmen und auch keine Kerzen anzünden. Wir haben sie danach mit zu uns genommen und mit ihnen nochmals darüber geredet. Andreas hat ihnen die Geschichte von Lazarus aus der Bibel vorgelesen und erklärt, dass die Toten (Seelen) nicht zur Erde zurückkommen, sondern entweder im Himmel oder der Hölle sind.

Uns persönlich geht es soweit recht gut. Wir sind manchmal müde denn es strengt an wenn ständig Leute im Haus aus- und eingehen. Amos ist ein kleiner Sonnenschein und macht uns viel Freude. Er krabbelt schon durch die ganze Wohnung und Nang Betty hat ihm beigebracht, wie man die Treppe hochsteigt. So ist jetzt nichts mehr vor ihm sicher. Es fehlt wohl nicht mehr viel, bis er anfängt zu laufen.

Wir grüßen Euch ganz herzlich und wünschen Euch eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und Gottes Führung auch für das neue Jahr.



Euer Andreas und eure Angela mit Amos
Wer wir sind.
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© Familie Andreas und Angela Staigmiller,
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