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Nummer 12 - Juni 2006
Liebe Freunde und Beter,

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HErr, der Himmel und Erde gemacht hat. Psalm 121, 1+2
Berge, was hat das mit diesem Rundbrief zu tun?
Kennt ihr auch Berge in eurem Leben, zu denen ihr aufschaut und euch fragt, woher kommt Hilfe? Berge spielen gerade eine grosse Rolle in unserem Leben, Wäscheberge, Sorgenberge und dann die richtigen Berge hier an der LRF und immer wieder erleben wir es dass der Herr unsere Hilfe ist.
Aber nun von Anfang an. Schnell ging unsere Zeit in Butuan zu Ende.

Ende Februar war unsere Absolvierungsfeier von der Sprachschule. Sie war sehr schön gestaltet unter anderem mit philippinischen Volkstänzen, die die Lehrer vorführten. Wir Schüler gaben Zeugnis, wie wir zum Glauben kamen in Sebuano, das war ganz schön aufregend aber jeder hat es gut gemacht. Meister sind wir zwar noch nicht in der Sprache aber wir können uns schon gut unterhalten. Und es macht Spaß endlich mit den Leuten reden zu können.
Wir sind echt dankbar und preisen Gott, dass er uns die letzten 1 ¼ Jahre durchgetragen hat! Oft waren wir am Ende und auch manche Tränen sind geflossen, doch der Sprachschul-Berg ist überwunden und der Weg hat sich gelohnt.

Nach der Feier sind wir für eine Woche nach Iligan gefahren um uns nach einem Haus umzuschauen. Wir durften in einer kleinen 40m² Wohnung an der LRF* wohnen. An mehreren Tag fuhren wir durch die Straßen von Iligan und hielten Ausschau nach einem geeigneten Haus mit einem kleinen Garten, aber nicht einmal die Wohngegenden wollten uns zusagen, geschweige denn die angebotenen Häuser. Es war alles so dicht aufeinander und so weit weg von der LRF. Für Andreas wären es jeden Tag vierzig Minuten Fahrt über holperige Straßen und ich wäre den ganzen Tag mit Amos alleine in der Stadt gewesen. So haben wir nach Beten und gutem Überlegen beschlossen diese kleine Wohnung and der Schule zu mieten. Jetzt haben wir eine kleines schnuckeliges Zuhause und Amos einen großen Hof gleich vor der Haustüre mit viel Platz zum Rennen. Und wir können Andreas immer besuchen gehen, wenn er in seinem Büro sitzt, das wir von der Wohnung aus sehen können.

Aber jetzt habe ich schon wieder vorgegriffen.

Zurück in Butuan ging es dann ans Packen, denn wir hatten beschlossen Anfang April umzuziehen. Aber vorher stand noch Amos 1. Geburtstag an, den feierten wir ganz groß nach philippinischer Art mit Spanferkel und viel viel Essen. Das war auch eine gute Gelegenheit um gleich Abschied von unseren neu gewonnenen Freunden zu nehmen.

Die Vorbereitungen standen wie ein großer Berg vor uns. Was musste alles eingekauft werden? Wo bekam man ein gutes Spanferkel her? Wieviel Leute würden wohl wirklich kommen? Und dann war es so weit. Der 23. März war gekommen. Am Nachmittag strömten um die 20 Kinder in unseren kleinen Hof und Wohnung. Sie machten begeistert bei den Spielen mit und verschlangen begierig die Spaghetti, die wir ihnen servierten. Spaghetti sind nämlich ein Muss bei einem Geburtstag, damit das Geburtstagskind ein langes Leben bekommt (extra lange Spaghetti). Nach dem Essen sind die Kinder dann fröhlich mit ihren Süßigkeiten-Geschenk-Tütchen abgezogen (Hier werden die Gäste beschenkt, nicht das Geburtstagskind). Am späten Nachmittag und Abend trudelten dann noch um die 50 Erwachsene ein und es gab noch mehr zu essen: Spanferkel, eine Art Frühlingsrolle, Brathähnchen, Nudeln und eine riesige Geburtstagstorte. Alle waren sie gekommen Lorena mit Familie, unsere Lehrer von der Sprachschule, Mitmissionare, Nachbarn und Bekannte, die wir im Laufe des Jahres kennen gelernt hatten.

Unsere gutgelaunt Gäste haben sich dann riesig gefreut, als es noch viele Reste gab und sie Essen für den nächsten Tag mitnehmen durften. Das ist hier sehr wichtig, besonders für die Leute, die nicht jeden Tag etwas zu essen bekommen.

Es war eine sehr schöne aber auch anstrengende Geburtstags- und Abschiedsfeier. Amos selber hat sich etwas gewundert, was da alles los war und hat sich am meisten über die Luftballons gefreut, die überall hingen.

Am Tag nach der Geburtstagsfeier ging es dann so richtig los mit Packen, Aussortieren was wir nicht mitnehmen wollten und Sachen verschenken.

Berge von Kartons füllten unser Wohnzimmer als der Lastwagen am 6. April eintraf. Ich war schon am Morgen vorausgefahren, um die neue Wohnung herzurichten. Unsere Haushaltshilfe, Nang Betty, und ihr Sohn JR und Lorena mit TsaTsa sind mit mir mitgefahren zum Helfen und zum Schauen, wo wir hinziehen. Es war so ermutigend, dass ich noch nicht von allen auf einmal Abschied nehmen musste. Nach über sechs Stunden Fahrt im heißen Auto, kamen wir total müde in Iligan an und waren froh, dass wir an diesem Abend nichts mehr machen mussten, sondern bei unseren Kollegen übernachten durften. Andreas hat am selben Tag nachmittags mit einigen Männern den Lastwagen geladen und sie sind am Abend um halb sechs losgefahren. Andreas meinte, es wäre eine halsbrecherische Fahrt gewesen, der Fahrer sei gefahren wie ein Henker. DanDan, sein Sprachhelfer hat ihn begleitet.

Um Mitternacht riss mich mein Handy aus dem Schlaf. Verwundert fragte ich was Andreas wolle. Er erklärte, dass ihnen die Kupplung kaputt gegangen ist, sie aber versuchen, noch ohne bis zur Stadt zu kommen. Das haben sie dann auch geschafft und so habe ich Andreas und Dandan abgeholt und sie haben auch noch ein paar Stunden bei unseren Mitmissionaren geschlafen. Der Fahrer und Beifahrer haben beim Lastwagen übernachtet und unsere Sachen bewacht.

Am nächsten Morgen wurde die Kupplung dann repariert. Und so machten sie sich auf die letzten sieben Kilometer von der Stadt bis zur LRF. Es geht steil bergauf über eine vom Regen ausgewaschene Schotterpiste. Der Fahrer hat nur gemeint: "Zum Glück haben wir den Lastwagen zuerst repariert." Mit vielen fleißigen Helfern, war schnell abgeladen und wir haben sogar alles in unserer Wohnung und in Andreas' Büro untergebracht.

Alle, die von Butuan mitgekommen waren, blieben noch eine Nacht und haben beim Auspacken geholfen. Am nächsten Morgen mussten wir jedoch endgültig Abschied nehmen. Wir haben sie noch zum Busbahnhof gebracht und konnten uns fast nicht von einander trennen so wurde es eine tränenreiche Szene. Inzwischen wohnen wir schon zwei Monate hier auf dem Berg und Berge von neuen Herausforderungen liegen vor uns.

Andreas hat die Aufgabe des Buchhalters übertragen bekommen. Er muss alle Arbeiter zahlen, die ganzen Bankgeschäfte erledigen, Rechnungen bezahlen und Steuern und Sozialabgaben abführen. Das geht alles nicht so schnell und einfach wie er das von Deutschland gewohnt ist. Zum die Sozialversicherung für die Angestellten zu bezahlen muss er auf das Amt in die Stadt fahren. Dort lässt er die Papier abstempeln. Oft wartet er über eine Stunde, bis er an die Reihe kommt. Anschließend fährt er zur Bank und dort bezahlt er den fälligen Betrag auf das Konto der Versicherung ein.

Wenn er die Stromrechnung bezahlt fährt er zum E-Werk muss auch eine halbe Stunde und mehr warten, um dann die Rechnung zu bezahlen. Da wird seine Geduld manchmal ganz schön auf die Probe gestellt. Wer Andreas kennt weiß, dass er dafür um so lieber die ganzen Daten in den Computer eingibt und verwaltet.

Zur Zeit sind ja noch Ferien und am 13. Juni fängt das neue Schuljahr an der Bibelschule an. Wir sind gespannt wieviel Studenten Gott senden wird, denn meistens wissen wir es erst am Ende der ersten Woche, wieviele wirklich gekommen sind.

Andreas soll dann im September den Kurs "Persönliches Wachstum im Glauben" unterrichten, er hat etwas Angst davor, denn noch fällt es ihm schwer geistliche Zusammenhänge in Sebuano zu erklären. Das Unterrichtsmaterial studiert er zur Zeit mit seinem neuen Sprachhelfer, Lanny. Er versucht neue Wörter und Formulierungen zu lernen.

Lanny wohnt hier im Dorf, er ist verheiratet und seine Frau erwartet das vierte Kind. Sie treffen sich an drei Vormittagen pro Woche.

Auch ich habe nun mit einer Sprachhelferin begonnen. Sie heißt Richel, ist auch verheiratet und hat einen Sohn. Wir treffen uns zweimal in der Woche am Nachmittag, so kann Andreas währenddessen auf Amos aufpassen.

Ansonsten bewältige ich die täglichen Spül-und Wäscheberge. Noch sind wir auf der Suche nach einer Hilfe, die wenigstens die Bügelwäsche übernimmt.

Jeden Sonntag gehen wir fünf Minuten Fußmarsch von unserem Haus den Berg runter. Dort versammeln sich um die 10-15 Gläubige und manche ungläubigen Familienangehörige zum Gottesdienst. Die Arbeit wurde von einem Mitmissionar gegründet, der letztes Jahr plötzlich zurück nach Amerika musste, so ist die Gemeinde nun verwaist und die Gläubigen etwas entmutigt.

Zwei Männer der Gemeinde, Allan und Robert, fragten Andreas, ob er nicht ein Bibelstudium mit ihnen anfangen würde. Oft begleite ich ihn, denn meistens sind die Frauen der beiden, Richel (Angelas Sprachhelferin) und Jenefer, mit dabei und so bekomme ich auch etwas Kontakt. Auch Amos freut sich immer wenn wir unterwegs sind.

Da unsere Hauptaufgabe an der LRF und im Sprachstudium ist, werden wir wohl nicht viel mehr Verantwortung in der Gemeinde übernehmen, als diese Zweierschaften. Vielleicht können wir mit den beiden Männern ein evangelistisches Bibelstudium anbieten für suchende Menschen im Dorf. Die Idee wäre, dass die beiden Unterrichten und Andreas unterstützend mit dabei ist.

Ein bis zweimal die Woche geht es dann mit dem Auto den Berg hinunter in die Stadt. Oft begleite ich Andreas, wenn er die Ämter abklappert und auf die Bank geht. Das ist für mich eine willkommene Abwechslung und ich kann gleich unsere nötigen Einkäufe machen. Gestern fuhr er und Amos ohne mich, da ich Sprachunterricht hatte.

Als er wegfuhr hat noch die Sonne geschienen. Doch schon eine halbe Stunde später hat es wie aus Kübeln geschüttet.

Auf dem Weg in die Stadt muß man einen Fluß überqueren die Überfahrt ist betoniert und das Wasser fließt durch Rohre unter der Straße durch. Um halb vier schellte das Telefon. Andreas war auf dem Heimweg und konnte nicht mehr über den Fluss zurück. Es hat in zwei Stunden soviel geregnet, dass die Überfahrt schon knietief überschwemmt war. So haben sie bei Mitmissionaren, die in der Stadt wohnen, um Asyl gebeten und dort übernachtet. Das war ein Erlebnis für sich.

Apropos Wasser, nach vier Jahren Wasser holen am Fluß und einer nahegelegenen Quelle wurde nochmals probiert einen Brunnen zu bohren und Gott hat Wasser geschenkt. Vorletzte Woche wurde die Pumpe im Brunnen gesetzt. Noch fehlen die nötigen Wasserleitungen und der Stromanschluss ist noch nicht installiert. Aber wir sind überglücklich, endlich Wasser auf dem Gelände zu haben. Die ersten Testproben ergaben sogar, dass das Wasser Trinkwasserqualitität hat. In der Zwischenzeit wurde noch an einer anderen Stelle gebohrt und auch dort sind sie auf Wasser gestoßen. So haben wir einen Ersatzbrunnen.

Wir danken Euch nochmals ganz herzlich, dass Ihr so treu für uns betet! Ohne Eure Gebete und finanzielle Unterstützung könnten wir diese Arbeit hier gar nicht tun.

Bitte betet für ein weiters gutes Sprachelernen und für ein gutes Einarbeiten die verschieden Aufgaben an der Schule. Und vergesst bitte auch die kleine Gemeinde nicht. Sie brauchen Ermutigung und Wegweisung.



Jetzt grüßen wir Euch ganz herzlich

Eure Staigmillers - Andreas und Angela mit Amos
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