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Nummer 6 - Januar 2005
Liebe Freunde und Beter,

Inzwischen haben wir uns schon ganz gut hier in Butuan City eingelebt. Wir wissen jetzt wo die Jeepneys und Multicabs fahren. Es ist kein Problem mehr für uns mit einem Trysikad zum Markt zu kommen oder mit dem Trysikol zum Gaisano. Manchmal fahren wir auch mit dem Motorsikad. Alles klar? Nein. Tja so ging es uns vor zwei Monaten. Aber es ist wichtig zu wissen, was der Unterschied ist und wohin die einzelnen fahren dürfen. Wir sind so froh, dass wir inzwischen schon in Cebuano fragen können, wer wo hinfährt. Die Leute hier sind auch sehr freundlich und hilfsbereit.

Unsere Aufgabe ist im Moment Sprache lernen. Eigentlich haben wir schon echt viel gelernt, aber manchmal denken wir trotzdem, wie sollen die ganzen Wörter nur in unserem Kopf haften bleiben. Da sind wir so dankbar, dass Ihr für uns betet. Wir dürfen das auch immer wieder erleben. Als wir vor einigen Tagen recht frustriert waren, haben wir einige ermutigende Emails und Post aus Deutschland erhalten. Vielen Dank. Das tut so gut!!

Heute möchten wir Euch ein wenig in unseren Tagesablauf mit hineinnehmen:
Morgens um halb sechs werden wir geweckt. Unser Weckdienst ist nicht ganz pünktlich (zwischen halb und viertel vor sechs), aber, wenn kein Stromausfall ist, durchaus zuverlässig. Er kommt von der benachbarten katholischen Kirche. Es ist die Musik, die die Leute zur Messe ruft. Sie ist nicht zu überhören, da sie von starken Lautsprechern verstärkt wird. Am Anfang war das noch recht nett, aber nach drei Monaten, jeden Morgen die gleiche Leier, das ist zeitweise schon fast ein wenig nervig.

Wenn die Musik startet geht der Tag für uns los. Nach einer schnellen Dusche geht's zum Frühstück (da sind wir noch immer recht schwäbisch - Xelsbrot und Milo = Marmeladenbrot und Kaba/Kaffee).

Um sieben Uhr kommt auch schon unsere Katabang, Nang Betty. Katabang heißt zu deutsch Helfer(in) und Nang ist die Bezeichnung für eine ältere Frau. Nang Betty hilft uns jeden Morgen im Haushalt, damit wir mehr Zeit zum Studieren haben. Hier braucht nämlich alles viel länger. Sie wäscht und bügelt für uns und putzt das ganze Haus. Da sind wir ganz arg froh drüber. Sie ist eine treue Seele. Ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben und so muss sie sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Ihr Sohn Dan-Dan ist mein (Andreas) Sprachhelfer. Montag, Mittwoch und Freitag kommt er von halb acht bis zehn zu uns ins Haus. Zu Angela kommt Remi zur selben Zeit und da versuchen wir dann was wir zuvor im Unterricht gemacht haben zu wieder holen. Die beiden helfen uns mit der Aussprache der Wörter und Sätze. Da hören wir oft "hapit na" das heisst beinahe richtig, aber halt doch nicht ganz. Da brauchen wir alle viel Geduld, aber wir sind froh, dass die beiden uns korrigieren und helfen, denn das tut man in der philippinischen Kultur normalerweise nicht.

Jeden zweiten Tag bekommen wir Fragen über das Verhalten und die Kultur der Filipinos, z.B. wie funktioniert das Schulsystem, wie verhält man sich wenn man eingeladen wird. Diese Fragen gehen wir dann mit unseren Sprachhelfern durch. Das hilft uns, vieles von der Kultur besser zu verstehen.
Alle zwei Wochen freitags ist kein Unterricht. Wir bekommen ein Thema, das wir ausarbeiten müssen. Das letzte mal mussten wir Begriffe sammeln für "Tragen".
auf beiden Schultern tragen: súng-ay
auf einer Schulter tragen: pás-an
mit beiden Armen tragen: kógos
in der Hand tragen: bítbit
unter dem Arm tragen: sápwang
mit angewinkeltem Arm tragen: álsa
auf dem Kopf tragen: lúk-do
zu zweit tragen: láhong

Dazu sind wir mit unseren Sprachhelfern auf den Markt gegangen und haben Leute beobachtet und Fotos gemacht. Es war interessant, im Deutschen haben wir nur ein Wort: "tragen" in Cebuano gibt es dafür ganz viele.

Wenn unsere Sprachhelfer gegangen sind gilt es noch ein wenig alleine zu studieren und schon ist es Zeit fürs Mittagessen das wir zusammen mit Nang Betty einnehmen, das ist richtig schön, da können wir dann nochmals ganz ungezwungen unser Cebuano ausprobieren.

Nach dem Mittagessen geht es gleich los zur Schule. Vor unserem Haus nehmen wir ein Multicab (Minibus) das uns fast bis zur Schule bringt. Die fahren hier wie in Deutschland die Stadtbusse oder Straßenbahnen. Sie haben ihre festen Routen mit dem einen Unterschied, sie halten überall, wo jemand ein- oder aussteigen möchte.

In der Schule bekommen wir jeden Tag eine neue Lektion mit einem Dialog, den wir auswendig lernen. Die Direktorin erklärt uns dann die Grammatik und anschließend werden die neuen Vokablen und die Aussprache geübt und erklärt.

Wir sind dann um 16.00 Uhr meistens total erschöpft, müde und froh, dass die Schule aus ist.

Cebuano oder Visayan ist die Sprache, die wir lernen:

  • Cebuano ist die zweitgrößte Sprachgruppe in den Philippinen.
  • Ungefähr ¼ der Filipinos sprechen Cebuano.
  • Cebuano hat viele englische und spanische Wörter, aber die Grammatik hat nichts gemeinsames mit Deutsch.

Wenn wir nach Hause kommen treffen wir oft noch Nachbarn auf der Strasse da heißt es dann immer: "Asa mo gikan?" (Wo kommt ihr her?). "Und was habt ihr gelernt?" Und schon sind wir am Grübeln, wie war das? Meistens lachen wir dann viel miteinander, wenn uns die rechten Worte fehlen.
Danach sind wir dann ziemlich hungrig und es gibt ein warmes Abendessen. So oder ähnlich sieht unser Alltag aus.

Vor Weihanchten haben wir das erste Buch in unserem Studium beendet und nach den Weihnachtsferien geht's mit dem zweiten weiter.

Am 23.12.2004 war unsere Schul-Weihnachtsfeier am Strand! Es waren alle Schüler und Lehrer und alle Sprachhelfer mit Familie eingeladen. Insgesamt waren wir so um die 70 Personen.

Es wurde ein LkW gemietet und auf der Ladefläche wurden dann Stühle aufgestellt und die Filippinos haben sich darauf verteilt. Das wär in Deutschland nicht zu denken. Wir waren ganz froh, dass wir bei anderen Missionaren im Auto mitfahren durften.
Nachdem wir angekommen waren gab's ein tolles Büffet mit allen möglichen Leckereien, jede Familie hatte etwas mitgebracht, Litson Baboy (Spanferkel), Fisch, Hühnchen, Reisnudel, Bananen und sogar Spätzle gab es. Nach dem Essen haben wir Spiele miteinander gemacht und wer Lust hatte konnte im Meer schwimmen gehen.
Das war für uns eine ungewohnte Weihnachtsfeier. Leider kam gar nichts von Weihnachten rüber. Da wird einem bewusst wie Traditonsverbunden man doch ist mit Weihnachtslieder singen, Kerzen anzünden, Weihnachtsgeschichte lesen.

In fast allen Häusern hier stand schon seit Anfang November der Plastikweihnachtsbaum mit farbenfroh blinkender Lichterkette und in den Kaufhäusern konnte man schon Ende Oktober Weihnachtlieder über die Lautsprecher hören, aber Weihnachten hat hier wenig Inhalt. Es wurde auch vom Westen importiert wie so vieles andere.

Als wir im Dezember unsere Stromrechnung bezahlten bekamen wir einen Kalender geschenkt auf dem oben stand:
"Wenn dein Leben in totaler Finsternis ist aber das der anderen nicht und selbst Gebete nicht mehr helfen, dann denk daran, deine Stromrechnung zu bezahlen und es wird Licht!"

Das hat uns so daran erinnert, dass Jesus sagte : "Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht in der Finsternis wandeln".
Wir wünschen uns noch viele Gelegenheiten, um von diesem Licht zu erzählen. Damit die Menschen aus der Finsternis der Sünde zum Licht kommen.

Weihnachten selber haben wir in Iligan/City verbracht an der Bibelschule mit unseren Teamkollegen. Das war richtig schön und erholsam. So können wir mit neuer Kraft ins nächste Semester starten.

Wir sind auch ganz arg dankbar für Eure Gebete für "unsere" Schwangerschaft. Die Ärztin hier in Butuan hatte etwas Sorge, weil Angelas Füße und Beine stärker angeschwollen sind, das Krankheitsbild ist hier nicht bekannt. Wir haben uns dann im Internet englische Informationen gesammelt und sind zum Chefarzt hier in der Stadt gegangen. Er betreut Angela jetzt weiter und da fühlen wir uns recht gut aufgehoben.
Dem Baby geht es sehr gut. Wir waren vor ein paar Tagen beim 3-D-Ultraschall. Da sahen wir Bilder vom Kind, das ist fast wie ein schwarz-weiß Foto. Wir haben gestaunt, wie man schon viele Details erkennen kann und mussten an Psalm 139 denken: ?Denn du bildetest meine Nieren. Du wobst mich in meiner Mutter Leib. Ich preise dich darüber, daß ich auf eine erstaunliche, ausgezeichnete Weise gemacht bin. Wunderbar sind deine Werke, und meine Seele erkennt es sehr wohl."
Haben wir nicht einen gewaltigen Gott. Vielen Dank, wenn Ihr auch weiter für die Schwangerschaft betet.

Wir freuen uns ganz arg über Eure Verbundenheit und wünschen Euch Gottes Segen auch für das Jahr 2005.



Andreas und Angela
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