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Nummer 7 - April 2005
Liebe Freunde und Beter,

In den letzten Wochen mussten wir uns auf einige neue Herausforderungen einstellen. Wie Ihr wisst hat Angela von Geburt mit Ihren Beinen Problemen und dadurch besteht vor und nach der Geburt ein hohes Thrombose Risiko, was uns bisher nicht bekannt war. Die Ärzte in Butuan sahen sich dieser Herausforderung nicht gewachsen, weshalb wir einen anderen Arzt brauchten. Unsere Kollegen, die in Cagayan de Oro (4 Stunden von Butuan) wohnen, haben uns mit einer gläubigen Frauenärztin zusammengebracht. Nach der ersten Untersuchung hat sie mit uns gebetet und sich Bedenkzeit erbeten. Sie hat einen Kollegen im Krankenhaus, der auf Gefäßkrankheiten spezialisiert ist und er kümmert sich um die Thrombosegefahr. So hat sie sich entschieden die Behandlung zu machen und auch die Geburt. Cagayan ist eine größere Stadt und hier haben sie auch die nötigen Geräte um diese Dinge zu überprüfen. Die erste Untersuchung war vor einigen Wochen und da war auch alles in Ordnung. Vor ein paar Tagen sind wir wieder nach Cagayan zurück gekommen. Hier werden wir bis nach der Geburt bei unseren Kollegen wohnen. Seine Frau ist Hebamme und so sind wir in guten Händen. Gestern (17.3.05) hatten wir wieder einige Untersuchungen. Dem Baby geht es sehr gut und es gedeiht. Aber bei Angela wurde ein Blutgerinnsel im Bein festgestellt. Jetzt braucht sie Medikamente, damit es sich auflöst.

Wenn sich das Blutgerinnsel nicht auflöst und sich von der Vene loslöst kann es in die Lunge kommen, was fast immer tödlich ist. Durch die Medikament wird die Gefahr von Blutungen stark erhöht, was sich bei der Geburt negativ auswirkt. Danke, wenn Ihr für uns um Ruhe und Gelassenheit betet, und um Weisheit für die Ärzte.

Die nebenstehende Verse aus Habakuk haben uns in diesen Tagen sehr bewegt. Habakuk musste den geistlichen und moralischen Niedergang Israels erleben und das Gericht Gottes über sein Volk durch Babylon ankündigen. Eine Zeit, in der Israel kahl leer und verwüstet sein wird. Am Anfang des Buches fragt Habakuk Gott, warum er all das Böse zulässt und er kann Gottes Wege nicht verstehen. Er begreift nicht warum Gott so handelt wie er handelt. Um so gewaltiger ist das Ende des Buches: Habakuk entscheidet sich trotz aller Not und Widerwärtigkeiten sich an seinem Gott zu freuen. Das ist es was auch wir lernen möchten. In unserer Not wie das mit der Entbindung alles werden soll, "Wollen wir uns in unserem Herrn freuen." Er ist unsere Kraft und unser ewiges Heil! Diese Freude kann uns nichts und niemand rauben, egal, wie die Umstände sind. Vielen Dank, wenn Ihr gerade für diese nächsten Wochen mitbetet, während wir auf die Geburt warten, die um den 13. April herum sein soll.
denn der Feigenbaum blüht nicht, und an den Reben ist kein Ertrag. der Ölbaum versagt seine Leistung, und die Rerrassengärten bringen keine Nahrung hervor. die Schafe sind aus der Hürde verschwunden, und kein Rind ist in den Ställen. Ich aber, ich will in dem HERRN frohlocken, will jubeln über den Gott meines Heils. Der HERR, der Herr, ist meine Kraft. den Hirschen gleich macht er meine Füße, und über meine Höhen läßt er mich einherschreiten. Habakuk 3,17-19

Leider verpassen wir durch unseren Aufenthalt hier in Cagayan auch einige Wochen Unterricht an der Sprachschule. Bitte betet, dass wir Möglichkeiten finden um trotzdem an der Sprache zu arbeiten. Vor vier oder fünf Wochen hatten wir schon angefangen an diesem Brief zu schreiben, aber die Arztbesuche, die Reisen und das Sprachstudium lies uns keine Zeit zum fertig machen. Auch wenn wir im Moment nicht in Butuan sind, möchten wir Euch trotzdem an unserem Alltag dort teilhaben lassen. Heute möchten wir Euch "Nang Betty" nochmals etwas näher vorstellen und Euch dabei auch mit in die philippinische Kultur und unsere Stadt Butuan hineinnehmen. Nang Betty Nang ist die höfliche Anrede für eine Frau, deren Kinder schon erwachsen sind. Nang Betty ist unsere Haushaltshilfe. Sie gehört zu den armen Menschen hier im Land. Ihr Mann ist vor zwei Jahren gestorben. Ihre vier ältesten Kinder sind schon aus dem Haus. Der Jüngste hat gerade die Grundschule (6. Klasse) abgeschlossen. Der Zweitjüngste, Daniel (Dandan) ist mein (Andreas) Sprachhelfer und wohnt auch noch zu Hause. Da Nang Betty keine Witwenrente bekommt (das gibt es hier nicht) muss sie ihren Lebensunterhalt und den ihrer beiden Buben selber verdienen. Deshalb kommt sie zu uns ins Haus um im Haushalt zu helfen. Vielleicht wundert Ihr Euch, dass wir als Missionare uns so etwas leisten können. Aber Ihr Gehalt von 30 Euro im Monat ist für uns erschwinglich. Oh, über Geld spricht man nicht. Ja, das war eine Umstellung für uns. Hier ist das Geld Gesprächsthema Nummer eins. "Wie viel zahlt ihr Miete?" "Was hat dein neues Hemd gekostet?" "Was hast du für dies oder das bezahlt?" sind die üblichen Fragen hier. Der Hintergrund dafür ist, man möchte wissen, ob man sich das auch leisten kann. Wenn der Preis gut ist geht man und kauft sich das gleiche. Und je mehr Leute sich den gleichen Artikel kaufen, um so stolzer ist man, weil man dann etwas gutes gekauft hat. Ja ihr merkt schon, andere Länder andere Sitten. Aber jetzt zurück zu unserer geliebten Nang Betty. Sie wohnt etwas außerhalb von Butuan in Pinamankulan. Seit dem Tod ihres Mannes wohnen sie wieder bei ihrer Mutter, weil sie sich die Miete für ein Haus nicht leisten können. Von Montag bis Freitag kommt sie jeden Vormittag zu uns. Von ihrem Bariyo (Dorf) fährt sie mit dem Motorrad zur Hauptstraße. Also sie fährt nicht selber. Es ist der öffentliche Nahverkehr, denn in die abgelegenen Dörfer fahren keine Autos oder Busse. Diese Motorräder haben eine verlängerte Sitzbank, so dass der Fahrer, vier Fahrgäste, Gepäck und wenn nötig noch ein Schwein Platz hat. Vor kurzem habe ich (Andreas) Dandan besucht. Die Fahrt ist ein rechtes Abenteuer. Ich war froh, dass keine Tiere mitgefahren sind. Pinamankulan liegt etwas außerhalb von Butuan und man hat eine herrliche Sicht über die Stadt.

Bis zur Hauptstraße fährt man ungefähr fünfzehn Minuten. Dort steigt sie um in das Multicab. Das ist ein Kleintransporter, bei dem im Laderaum keine Scheiben drin sind, damit es durchlüftet. Auf der Ladefläche ist rechts und links eine Sitzbank installiert. Hinten in der Mitte ist er offen zum Ein- und Aussteigen. Es gibt zehn verschiedene Linien bei uns in der Stadt (Route 1-10). Sobald ein Multicab "R4" angebraust kommt winkt sie schnell, damit es anhält. Nun geht es weiter hinein in den morgendlichen Berufsverkehr. Denn hier wimmelt es nur so von Fahrzeugen. Route 4 fährt leider nicht direkt zu unserem Haus.

So muss sie durch die ganze Stadt fahren, vorbei an Otis Metro, Gaisano (das sind die großen Einkaufszentren), McDonald's und seinem philippinischen Konkurrenten Jolliebee. Im Stadtzentrum geht's entlang dem "Stadtpark" und der Kathedrale, am Hauptpostamt kommt eine scharfe Kurve und dann geht's über den vierspurigen Montilla Boulevard nach Langihan. Das ist unser Markt. Dort sind die großen Markthallen und die kleinen Buden und Stände der Straße entlang. Hier wird um Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, Hühner, Schweine, Ziegen und vieles mehr gefeilscht. Meistens geht es hier nochmals sehr langsam, denn es wimmelt nur so von Trysikads (Fahrräder mit drei Rädern und einer Sitzbank für zwei bis vier Leute). Die sind recht langsam und blockieren den ganzen restlichen Verkehr.

Nach dem Markt geht es nicht mehr weit und sie hat unsere Straße erreicht. An der Einmündung ruft sie dem Fahrer zu: "Diri na lang." Zu Deutsch "Gerade hier." Der Wagen wir langsamer, hält an und sie steigt aus. Jetzt sind es nur noch ein paar Schritte bis zu unser Wohnung. Übrigens ist das fast die gleiche Route die wir fahren wenn wir von der Schule nach Hause gehen.

Bei uns angekommen spült sie unser Frühstücksgeschirr, damit wir gleich mit dem Sprachstudium starten können. Sie putzt das Haus, wäscht und bügelt unsere Wäsche und manchmal hilft sie beim Mittagessen kochen. Nach dem Essen, spült sie noch ab und wenn wir in die Sprachschule gehen fährt sie entweder wieder zurück oder sie geht noch zum Einkaufen.

Nang Betty ist für uns nicht nur eine große Hilfe im Haushalt, sondern auch ein liebe Glaubensschwester. Wir sehen uns jeden Sonntag im Gottesdienst. Sie hilft uns auch immer wieder mit der Sprache. Bitte betet für sie und unser Miteinander.

Gebetsanliegen:

Dank:

  • für unsere lieben Kollegen, Ed und Luanne Shackelford in Cagayan, bei denen wir wohnen dürfen
  • für die guten Ärzte hier
  • für eine gesunde Entwicklung unseres Babys
  • mit den Visa geht es vorwärts
  • Fortschritte im Sprache lernen
Fürbitte:
  • persönliche Stille mit Gott und unser geistliches Leben
  • um Bewahrung für Angela und Baby bei der Thrombosebehandlung und Geburt, evtl. Kaiserschnitt
  • um Weisheit für die Ärzte
  • unser weiteres Sprachstudium nach der Geburt
  • Kraft und Weisheit für alle Umstellungen auf ein Leben mit Kind


Mit herzlichen Grüßen
Eure Staigmillers
Wer wir sind.
Mehr über die 4 As.
© Familie Andreas und Angela Staigmiller,
Klaustraße 26
88477 Schwendi