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Nummer 9 - August 2005
Liebe Freunde und Beter,

Das ist zwar der Rundbrief von A³, aber diesmal nicht von ihnen geschrieben sondern von mir, Debora. Ich bin die Schwester von Andreas und gerade mit unseren Eltern hier auf den Philippinen um die drei zu besuchen. Weil A² sehr viel Zeit mit uns verbringen, nehme ich ihnen ein bisschen Arbeit ab und schreibe den nächsten Rundbrief für sie - aus meiner Perspektive. Dadurch erfahrt ihr vielleicht manches, was für euch neu ist, für A² aber schon normal.

Es ist unglaublich schwierig, in Worte zu fassen, was wir sehen und erleben. Darum will ich jedem herzlichst empfehlen: reist selbst auf die Philippinen, besucht Andreas und Angela! Es ist eine spannende, schöne und manchmal auch schockierende neue Welt, in die ihr dann eintaucht.

Vieles haben A² schon erzählt, aber es hautnah zu erfahren ist nochmals anders. Ich hätte nie gedacht, dass Weiße hier tatsächlich so was ähnliches wie ein Weltwunder sind. Für Menschen, die nicht gerne im Mittelpunkt stehen, könnte das unangenehm sein J.

Wenn wir in Butuan unterwegs sind drehen sich viele Philippinos nach uns um und besichtigen uns ungeniert.(Sie sind aber alle sehr, sehr freundlich und so ist es nicht ganz so unangenehm). Amos ist natürlich immer die Hauptattraktion.(Er ist auch wirklich ein süßes Männchen.) Wenn wir irgendwo auftauchen, erscheinen schwupp die wupp viele Kinder und manche Erwachsene, die gern das weiße Langnasen-Baby sehen wollen. Sie beneiden uns um unsere langen Nasen und unsere weiße Haut. Darum enthalten mindestens die Hälfte der Seifen, Cremes und der anderen Kosmetika Stoffe um die Haut aufzuhellen. Ist es nicht verrückt, wir wollen alle braun sein und die Philippinos wollen weiß sein? Es fasziniert mich sehr, dass wir ja alle von Noah her kommen und doch so verschieden sind. Aber was mich noch mehr bewegt hat ist der Gedanke, dass Gott durch seine Erlösung auch den Heiden den Weg zum himmlischen Vater frei gemacht hat. Und zu den Heidenvölkern gehören wir beide, Deutsche und die Philippinos gleichermaßen.

Amos ist die braunen Gesichter natürlich gewöhnt. Daran ist bestimmt auch Nang Betty "schuld". Sie ist die Haushaltshilfe und ein echter Schatz. Wäsche waschen, Geschirr spülen, Putzen usw. brauchen hier viel mehr Zeit. Auch darf man das Wasser aus der Leitung nicht trinken (auch Amos nicht darin baden - Amöben!!) Man muss Trinkwasser im Laden kaufen. Darum ist es gut, dass A² Nang Betty haben. Sie liebt Amos über alles und er liebt sie auch. Ohne Nang Betty könnten die beiden längst nicht so gut die Sprache lernen. Einmal sind wir mit zur Sprachschule gefahren. Das war hochinteressant. Schon der Weg dorthin ist ein Erlebnis: die Straße wird immer schmaler, immer steiniger, die Schlaglöcher immer tiefer... Holzhütten mit und ohne Stelzen, Hühner, Hunde und Schweine an der Leine... Und wenn man denkt, jetzt ist man am Ende der Welt, dann kommt die Sprachschule!

Die Sprache Cebuano hat es in sich! Ich wollte auch einen Satz lernen, aber ich kann ihn mir nicht merken!! In der Klasse von A² ist noch ein anderes Ehepaar. Der Unterricht beginnt um 13:30 Uhr (Mittagstief!) mit einer Andacht, die einer der Schüler in Cebuano vorlesen und dann erklären muss. (Der Mitschüler, der an diesem Tag dran war meinte, er habe keine Ahnung gehabt, was er gelesen hat.) Andreas bestätigt, dass das gar nicht so einfach ist, aber dass er doch merkt, wie er immer mehr versteht Fünf Lehrer unterrichten die Klasse. Nacheinander oder auch gleichzeitig. Zu bestimmten Übungen teilt sich die Klasse nochmals. Das gefällt Andreas gut, wenn er nur mit Angela zusammen unterrichtet wird. Dann sitzen sie auch mal draußen unter Palmen. Aber das ist nur für die Zuschauer idyllisch - für die Schüler ist es trotzdem Arbeit, denn Gramatik und Vokabeln bleiben doch gleich. Der Untericht ist ein ständiges hin und her von Frage und Antwort und jeder muss immer mitdenken und zur Antwort bereit sein. Es gibt also kein gemütliches Zurücklehnen. Schulschlaf ade :-)) Nang Betty kommt auch immer mit zur Sprachschule und versorgt Amos mit großer Liebe und Hingabe. Die Sprachübungen und Texte sind immer kulturbezogen, so dass sie beides lernen. Jeden zweiten Freitag ist schulfrei - aber nicht zur Erholung!! Da müssen A² auf eigene Faust losziehen und etwas über die Kultur und das Leben hier entdecken. Das kann die Besichtigung einer Fabrik sein, das Kochen bestimmter Speisen, das Schulsystem usw. Das Ergebnis dieser Entdeckungsreise muss eine Fotodokumentation mit Text sein. Und montags stellt jeder Schüler sein Ergebnis der Klasse vor. Es gibt auch jeden Tag Hausaufgaben, die bis zum nächsten Schultag gemacht werden müssen. Puh - und das bei der Hitze. Alle Missionare, die wir bei der LRF getroffen haben waren sich einige, dass die Zeit der Sprachschule in Butuan für sie die schwierigste Zeit war. Aber alle haben auch bestätigt, wie wichtig es ist, sich genug Zeit für das Sprachstudium zu nehmen, denn wenn A² dann bei der LRF sind, gibt es so viele andere Aufgaben, dass zum weiteren Sprachstudium keine Zeit bleibt.

Stichwort LRF! Dort waren wir am vergangenen Wochenende. Die Fahrt mit dem Auto von Butuan nach Iligan dauert 6 Stunden. Was man unterwegs alles sehen kann verrate ich nicht :-) da müsst ihr schon selber kommen! Von der Stadt Iligan bis zum LRF-Gelände fährt man nochmals eine halbe Stunde über eine sehr steile Schotterstraße. Für uns ist der Blick ins Flusstal mit den vielen Kokos- und Bananenpalmen einfach ein Genuss. Der Weg ist immer wieder gesäumt von Hütten und Häusern. Einige der Philippinos, die hier wohnen sind schon zum Glauben an Jesus gekommen durch die Arbeit der Studenten und Missionare der LRF. Es ist natürlich schön, das Gelände und die Häuser nun auch mit eigenen Augen gesehen zu haben. Aber für mich war das beste bei diesem Besuch die Menschen kennenzulernen, v. a. die zukünftigen Kollegen von A², die Lehrer und Mitarbeiter bei der LRF. Das ist eine Gruppe ganz wunderbarer Menschen, die uns sehr herzlich aufgenommen haben. Auch hier ist Amos heiß begehrt und wird von Arm zu Arm gereicht, weil jeder ihn mal auf dem Arm haben will. Wir durften den Studenten bei ihrem "bunten Abend" zuschauen. Den gibt es alle 14-Tage. Diesmal gab es Gruppenspiele: einfach zum Spaß und zur Unterhaltung, aber auch als Anregung für Aktivitäten, die die Studenten bei ihren Einsätzen anbieten können. Gute Idee! Mit einer Studentin habe ich mich etwas unterhalten, sie wird dieses Jahr das zweijährige Programm abschließen und möchte in die Mission. Sie betet, dass der Herr ihr zeigt, wo er sie haben will. Eine alte philippinische Geschichte besagt, dass alle Nasen an einem Baum hingen und die einzelnen Völker sich ihre Nasen aussuchen konnten. Die Filippinos kamen wie üblich nicht aus dem Bett und als sie endlich ankamen, waren alle Nasen schon weg, nur auf dem Boden lagen noch einige plattgetretene...

Es ist ein riesiges Geschenk, wenn man so miterleben kann, wie Gott in anderen Völkern und Kontinenten wirkt und es doch so ähnlich ist, wie bei uns in Deutschland. Es ist eben der gleiche Gott und Herr. Durch ihn ist man irgendwie überall zuhause, wo seine Kinder sind. Die Rückreise von der LRF war nicht ganz so einfach. Unsere Mutter wurde während der Zeit bei der LRF krank und fühlte sich sehr elend. Auch Andreas hatte starke Kopfschmerzen, Husten und es war ihm nicht gut. Weil auch Amos und unser Vater nicht auf der Höhe waren, war eine Arzttour angesagt. Die schwüle Hitze macht das Kranksein nicht gerade erträglicher. Man fühlt sich noch erschöpfter und sehnt sich nach Abkühlung. Die kann man durch einen Ventilator bekommen, aber immer verbunden mit der Gefahr, dass man sich erkältet. Trotzdem sind alle wieder gesund geworden. Danke Herr!

So jetzt dürfen wir drei A's den Brief noch abschließen. Ja, das Leben hier ist wirklich ganz anders als in Deutschland, aber wir haben uns an vieles tatsächlich schon gut gewöhnt. Wer gern den ganzen Bericht noch in Farbe hätte, der darf unsere Eltern oder Debora zum Bilder anschauen einladen. Und wer's gerne live hätte, den laden wir ganz herzlich ein, uns zu besuchen.



Seid für heute ganz herzlich gegrüßt

Euer Andreas & Eure Angela mit Amos

Wer wir sind.
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9200 Iligan City